Der Kompass für Unternehmen: Ein starkes Fundament für Wachstum
- Olivier Kaeser

- 8. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Teil 1 von 3 in der Serie: The Compass, The Map, and The Journey for companies.
Stell dir vor, du würdest ein Haus bauen und mit dem Dach beginnen.
Genau so gehen viele Unternehmen an Wachstum heran. Sie stürzen sich in Hiring, Marketing und Execution – ohne sich je auf ein Fundament geeinigt zu haben. Kein Wunder, dass nur 23% der Führungskräfte sagen, ihre Strategie sei in der ganzen Organisation wirklich verstanden.
Sie bauen ohne Fundament. Oder wie ich es nenne: den Kompass.
Der Kompass ist das erste Element meines Beratungs-Frameworks für Startups und Unternehmer:innen.
Warum ein Kompass entscheidend ist: Fehlalignment kostet
Man kann Top-Talente haben, solide Finanzierung und eine starke Idee – ohne Alignment bei den Essentials läuft man trotzdem ins Leere. Ich bin überzeugt: 90% aller Ineffizienzen und verpassten Ziele lassen sich auf ein fehlendes Alignment im Kompass zurückführen.
Der Kompass gibt dem Team eine gemeinsame Richtung: ein klares Bild davon, wer wir sind, warum wir hier sind und wie wir arbeiten. Er besteht aus drei Elementen:
🧭 Werte
🧭 Purpose
🧭 Klarheit über das Spielfeld (Domain Clarity)
Hier, weshalb sie entscheidend sind und was passiert, wenn sie fehlen.
Werte: Das Fundament für Performance
Viele Unternehmen stellen fast ausschliesslich nach Expertise ein – und blenden Werte komplett aus. Ein Fehler. Wirklich stark wird ein Team, wenn sich Werte überschneiden, aber Expertise unterschiedlich ist. So entstehen bessere Lösungen und Innovation. Es geht nicht um Harmonie. Konflikte sind notwendig für Fortschritt. Entscheidend ist, wie Konflikte ausgetragen werden.
“Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern was richtig ist.”
Werte unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen und das ist gut so. Wichtig ist nur, dass das Team sich intern einig ist.
Ein einfaches Beispiel:
Ich war einmal in einem grossartigen Steakhouse mit offener Küche. Die Energie: intensiv. Klare, fast militärische Führungskultur. Jeder Befehl des Chefs wurde mit einem lauten “Si, Chef!” wiederholt, das Team bewegte sich präzise und fokussiert. Hier zählten Hierarchie, Disziplin und Exzellenz – und es funktionierte.
Eine Woche später sass ich in einem Top-Vegan-Restaurant. Ebenfalls offene Küche, doch die Atmosphäre war das Gegenteil: leise, gelassen, kollaborativ. Keine Befehle, nur ruhige Abstimmung. Und das Resultat? Weltklasse.
Zwei komplett unterschiedliche Wertsysteme. Beide erfolgreich.
Darauf kommt es an: Es ist nicht entscheidend, welche Werte du wählst, sondern dass dein Team sie teilt und lebt. Darum empfehle ich, Werte nicht nur ins Culture Deck zu schreiben, sondern auch in Hiring, Onboarding und Performance Reviews zu integrieren.
Purpose: Das echte «Warum» hinter der Arbeit
Purpose wird oft mit PR verwechselt. Manche Statements klingen, als hätte ein Chatbot versucht, einen TED Talk zu gewinnen. Das durchschaut jeder Markt.
Niemand liest Mark Zuckerbergs neuestes AGI-Manifest und denkt: “Wow, das wirkt tief menschlich und authentisch.” Die Antwort liegt aber nicht darin, ins Gegenteil zu verfallen. Purpose muss nicht beeindrucken. Er muss wahr sein.
Purpose muss nicht philanthropisch sein. Aber er muss echt sein.
Another example:
Ein Beispiel:Eine Kundin von mir ist Patissière auf höchstem Niveau. Ich dachte, ihre Leidenschaft liege in der Perfektion des Prozesses: Rezepte verfeinern, jedes Detail perfektionieren. Doch als wir tiefer über Purpose sprachen, sagte sie:
“Am meisten Freude habe ich, wenn ein Kunde aufleuchtet. Wenn jemand wirklich überwältigt ist von einer Torte, die ich kreiert habe. Das ist mein Antrieb.”
Das ist die Basis für ein starkes Purpose-Statement. Es geht nicht darum, die Welt zu retten. Sondern jemandem den Tag zu verschönern.
Ein «guter» Purpose zeigt sich am Schnittpunkt von:
einem realen Bedarf im Markt
den Talenten und der Leidenschaft im Team
den Werten, die die Arbeit leiten
Wenn er klar benannt ist, wird Purpose zum Entscheidungsfilter, Talentmagnet und gemeinsamen Bezugspunkt.
Domains: Strategie sichtbar machen und nicht in Folien verstecken
Die meisten Unternehmen beschäftigen sich mit ihrem Spielfeld: was sie tun, wen sie bedienen, wie sie arbeiten. Oft gibt es dafür endlose 50-Seiten-Slides. Marketing hat Personas bis zu den Emojis durchdekliniert. Sales pflegt ausgefeilte Pipeline-Strukturen. Operations trackt Dutzende KPIs.
Das Problem ist nicht die Analyse – sondern die Zugänglichkeit. Was fehlt, ist eine prägnante, offene Zusammenfassung des Geschäfts. Klar geschrieben, geteilt und regelmässig genutzt. Nicht versteckt in einer Datei. Nicht diffus. Sondern ein One-Pager, den jedes Teammitglied auf dem Tisch haben könnte.
Mindestens sollte jede:r Mitarbeitende beantworten können:
Was machen wir?
Wie schaffen wir Wert?
Wen bedienen wir?
Wie messen wir Erfolg?
Wie sind wir organisiert, um zu entscheiden und voranzukommen?
Es geht nicht darum, Dinge zu vereinfachen. Sondern die Kernrichtung sichtbar und nutzbar zu machen. Denn wenn das eigene Team keine Klarheit hat, wie sollen es dann die Kunden haben?

Warum der Kompass das beste Fundament für Wachstum ist
Egal ob im frühen Stadium oder im schnellen Scaling: Der Kompass ist kein Korsett. Er ist die Klarheit, die Kreativität schützt. Er ermöglicht, dass smarte Leute schnell handeln können – ohne sich auseinanderzubewegen. Und er ist eines der meist unterschätzten Fundamente für nachhaltiges Wachstum.
Als nächstes: Die "Map"
Im nächsten Artikel gehen wir vom Kompass zur Map: Wie man das Fundament in Vision, Ziele und Richtung über verschiedene Zeithorizonte übersetzt. Von der langfristigen Vision bis zum Daily Business.
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